Ungarisch für Anfänger – wie unbezwingbar ist es wirklich?

Ungarisch für Anfänger – wie unbezwingbar ist es wirklich?

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Ungarisch lernen als Anfänger, das ist wirklich eine große Herausforderung – und dennoch gibt es Menschen, die es schaffen. Doch was macht die ungarische Sprache so schwer zu lernen und wie kann es doch gelingen? 

Bis zu 15 Millionen Menschen sprechen Ungarisch – die meisten davon sicher Ungarn. Doch warum ist es für Ausländer so schwer, diese Sprache zu erlernen? Sicher, weil sie so einzigartig ist. Oft wird an diese Stelle gesagt, dass Ungarisch mit dem Finnischen verwandt sei. Diese Verwandtschaft ist jedoch eher theoretischer Natur – Ich habe bei Gelegenheit eine Finnin in Budapest gefragt, und sie versteht kaum ein Wort. Die Verwandtschaft kann also nicht allzu eng sein… Viele Grammatikstrukturen kann man sich kaum vorstellen, wenn man Sprachen wie Deutsch, Englisch, Französisch oder Spanisch gewöhnt ist. Und dennoch ist es so, wie mit den meisten Dingen im Leben: wer etwas wirklich will, findet immer einen Weg.

Kleiner Reisewortschatz

Einen kleinen Reisewortschatz habe ich auch auf meiner Seite Urlaub in Budapest erwähnt, aber da es so gut passt, führe ich hier noch ein Paar der wichtigsten Worte für Anfänger auf. In Klammern findest Du jeweils meinen Vorschlag zur Aussprache.

Hallo – Szia (Ssia)
Guten Tag – Jó napot (spricht man genau so aus)
Danke – Köszönöm, kurz: Köszi (Kössönöm, Kössi)
Ja – Igen (igenn)
Nein – Nem (Nemm)
Prost – Egészségedre (Eggeschegedreh)
Auf Wiedersehen – Viszontlátásra (Vissontlataschra)
Tschüss -Szia (Ssia)
Entschuldigung – Bocsánat (Botschanat)

 

Ungarisch lernen für Anfänger
Klein aber oho: auch im digitalen Zeitalter gehe ich gerne mit Reiseführern und Lexika, die man anfassen kann, auf Reisen. Für die braucht man immerhin kein Ladekabel.

Einführung

Einer der größten Unterschiede und eine große Herausforderung für Anfänger im Ungarischen ist, dass hier viele Wortketten gebildet werden. Das bedeutet, dass Dinge, für die man auf Deutsch mehrere Worte gebraucht werden, auf Ungarisch aneinander gehängt werden. Das nennt man Agglutination.

Außerdem ist die ungarische Sprache von der Vokalharmonie geprägt. Das bedeutet, es gibt es helle und dunkle Vokale.

hell: e, i, o, ö, ü
dunkel: a, o, u

Enthält ein Wort einen hellen Vokal, muss die Endung ebenfalls einen hellen Laut enthalten. Bei dunklen Vokalen muss die Endung dementsprechend dunkel sein.  Bei „gemischten“ Wörtern ist die Stammsilbe entscheidend.

Jedes Suffix also jede Endung gibt es daher in mindestens zwei Varianten, hell und dunkel.

Dazu einmal ein Beispiel: 

die Endung -ból (dunkle Variante) oder –ből (helle Variante) bedeutet „aus“. Wenn Du also sagen willst, „ich weiß es aus dem Brief„, dann nimmst Du „Brief“ und hängst das „aus“ hinten dran. Quasi: „Ich weiß es Briefaus“. Klingt soweit noch logisch? Zu beachten ist dabei aber auch die Vokalharmonie, das heißt die Endung muss zum Wort passen und harmonisch sein. Bist Du noch dabei? Dann nehmen wir mal ein ungarisches Beispiel.

Brief bedeutet levél, das besteht aus dem hellen „e“. Also nimmt man die helle Variante und fügt es zusammen: levélből.

Szoba bedeutet „Zimmer“.  Dieses Wort besteht aus den dunklen Vokalen „a“ und „o“.Man braucht daher die dunkle Variante der Endung.
„Aus dem Zimmer“ schreibt man somit: Szobából.

So, und ich denke, das reicht fürs Erste – Ungarisch ist wirklich etwas ganz anderes, als das, was die meisten von uns in der Schule an Sprachunterricht hatte. Aber natürlich ist Ungarisch auch kein Hexenwerk und mit genügend Muße lässt sich alles erlernen. Ich habe oft gehört, dass manch fleißiger Lernende monatelang keinen Satz wirklich sprechen konnte, aber dann eines Tages auf einmal das Ungarisch flüssig aus ihm herauskam – wie ein Damm, der bricht, wenn erstmal genug Wasser angestaut ist.

Ungarisch und Deutsch

Wusstest Du, dass es im Deutschen auch viele Begriffe gibt, die aus dem Ungarischen übernommen wurden? Zum Beispiel Dolmetscher, Gulasch und Kutsche. Aber auch Tollpatsch – das stammt ab vom ungarischen Talpas (breitfüßig).

Am besten kann man Sprachen natürlich vor Ort lernen, wenn man sich voll und ganz in die Sprache versenkt und sie allgegenwärtig ist. So kann man den Status als Anfänger schnell hinter sich lassen. Die deutschsprachige Andrássy Universität bietet beispielsweise für Studienanfänger viele Möglichkeiten, die ungarische Sprache zu lernen. Es gibt Crashkurse, um direkt am Anfang möglichst viel zu lernen, aber auch reguläre Sprachkurse über das ganze Semester verteilt. Viele, die hier studieren, nehmen sich ihren Aufenthalt gerne zum Anlass, auch die ungarische Sprache zu lernen. Die Uni bietet aber auch Sprachkurse für Französisch (Anfänger) und Englisch (C1 Niveau) an. Zudem bietet die Andrássy Universität einen abendlichen Tanzkurs für Gesellschaftstanz an und einen Deutschkurs für wissenschaftliches Schreiben. Wem dieses Angebot nicht reicht, der kann als Gaststudent aber auch an anderen Universitäten wie der ELTE oder der CEU noch weitere Sprachkurse belegen, etwa in Spanisch und Russisch. Für Studenten sind die Kurse kostenlos, nur eine Kaution von ca. 30,00€ fällt an. Bei regelmäßiger Teilnahme wird diese jedoch vollständig  erstattet. 

Studieren in Budapest auf deutsch? Ja, das geht!

Na, konnte ich Dich motivieren, vielleicht doch etwas Ungarisch zu lernen? Oder fandest Du diesen Artikel doch eher abschreckend?
Ich bin gespannt auf Deinen Kommentar.

Noch mehr spannende Bücher über Ungarn findest Du übrigens bei meinen Lesetipps.

Bis bald,

4 Gedanken zu „Ungarisch für Anfänger – wie unbezwingbar ist es wirklich?

  1. Hallo Bella,
    auch wenn ich schon71 Jahre alt bin, also nicht mehr im Studentenalter, hast Du mich total motiviert. Bisher hatte ich Angst jemanden auf ungarisch anzusprechen.
    Dank Deiner o.g. Ausführungen werde ich mir die größte Mühe geben konsequent zu lernen.
    LG Heidi

    1. Liebe Heidi,
      vielen Dank für Deinen lieben Kommentar. Man ist nie zu alt, etwas zu lernen 🙂 Ich freue mich sehr, wenn mein Blog Dir gefällt!
      LG Bella

    1. Liebe Brigitte,
      vielen Dank für Deinen lieben Kommentar. Ich bin leider auch weit entfernt, aber höre es trotzdem sehr gerne!
      Liebe Grüße,
      Bella

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